Ort

Architektur Galerie Berlin
Karl-Marx-Allee 96
10243 Berlin

Zeitraum

02. – 06. Mai 2024

Programm

Öffnungszeiten : Freitag – Sonntag 12 – 19 Uhr

Vernissage : 02.05.2023 19–21:30 Uhr

Künstler:innen

Anastasiia Batishcheva
Janne Höltermann
Tiziana Krüger
Annina Lingens
Hee Seo

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Mit freundlicher Unterstützung der
In der Architektur Galerie Berlin präsentiert artburst berlin künstlerische Arbeiten, die sich mit Architektur als Mittel des Ein- und Ausschlusses und der Abwehr, mit ihrer Abgeschlossenheit und dem Potential ihrer Öffnung auseinandersetzen. Die Ausstellung “mit lebendigen Strukturen oder festen Elementen” versammelt Werke von Anastasiia Batishcheva, Janne Höltermann, Tiziana Krüger, Annina Lingens sowie Hee Seo, und zeigt vielschichtige Auseinandersetzungen mit diesem Themenkomplex mittels Architekturmodell, Installation, Fotografie, Skulptur und Video.
Ausgangspunkt für diese Gruppenausstellung ist unsere tägliche Konfrontation mit Orten, die in ihrer Bestimmung menschenfeindlich, abgeschottet und undurchsichtig sind. Die Gestaltung des öffentlichen Raums ist immer auch Ausdruck von Machtverhältnissen, ganz unabhängig davon, ob es sich um urbane oder ländliche Umgebungen handelt. Viele der Architekturen, denen wir im Alltag begegnen, sind dafür geschaffen, Menschen auszuschließen, um anderen einen vorgeblich sicheren Ort zu bieten. Im öffentlichen Raum versperren sich städtebauliche Elemente gegen eine Aneignung, während sie gängige Handlungen der vermeintlichen Mehrheitsgesellschaft begünstigen. Doch nicht nur der öffentliche Raum, auch der eigene Wohnraum bietet nicht den erhofften Schutz, wenn er an Aufenthaltsgenehmigungen geknüpft oder durch Spekulation und Gentrifizierung bedroht ist. Die eigenen vier Wände, die immer auch an äußere Faktoren gekoppelt sind, beeinflussen unsere Selbstempfindung ebenso wie unsere Verortung in der (Stadt-)Gemeinschaft.
In der Ausstellung “mit lebendigen Strukturen oder festen Elementen” präsentiert artburst berlin fünf Positionen, die eine künstlerische Annäherung an diese starren Strukturen und ihre Umgebungen versuchen. Die Beziehung zu denjenigen, die sie nutzen oder eben nicht nutzen können, rücken hier in den Fokus. Mittels unterschiedlicher Medien treten die Künstler:innen in einen Dialog mit ihrer Umwelt, stellen die schützende Funktion von Architektur in Frage und artikulieren mit ihren Werken die teilweise unaussprechlichen Gefühle, die sich in der Auseinandersetzung mit Architektur aufdrängen.
Janne Höltermann erforscht mit ihrem Werk „Physical Twin“ die Architektur von Lager- und Logistikeinrichtungen im digitalen Zeitalter, die wie Fremdkörper in der Landschaft platziert sind. Ihre Videoarbeit kombiniert Filmmaterial und 3D-Modelle von Abwicklungszentren, um die Architektur in die Höhe und Breite wachsen zu lassen. Höltermann visualisiert, wie Technologie und Kapitalismus Bewegung, Raum und Zeit abstrahieren und neu strukturieren. Um Abschottung im kleinen Maßstab geht es in den Fotoserien „Heimat I“ und „Heimat II“ von Annina Lingens. In ihren Serien wirft die Künstlerin einen Blick auf private Räume und wie diese durch Abgrenzung erschaffen werden. Dabei verbildlicht sie die teils absurden Ausmaße, in denen Menschen sich und ihr Zuhause von der Außenwelt abschotten, und verarbeitet persönliche Gefühle von Enge und Einsamkeit. In Heimat II überspitzt sie diese Wahrnehmung, indem sie jegliche Fenster und Türen aus den Bildern digital entfernt, wobei die Fotografien kaum als nachbearbeitete Bilder erkennbar sind. Analog zur Buchsbaumhecke im Eigenheim nimmt die sogenannte “defensive Architektur” im öffentlichen Raum viele Formen an. Tiziana Krüger untersucht in ihrer Arbeit „soft defense“ verschiedene Formen abwehrender Architektur, vom Stacheldraht bis zur Barrikade. Ihr Werk setzt sich mit dem Ausschluss von Personengruppen aus dem Stadtraum auseinander und wirft die Fragen auf, wer als Teil der Stadtgemeinschaft akzeptiert wird und wer nicht. Abwehrende Elemente aus dem urbanen Raum übersetzt Krüger in filigrane, ungebrannte und damit besonders zerbrechliche Tonobjekte, die bei der kleinsten Erschütterung zerbrechen können und auf diese Weise selbst schutzbedürftig werden. Eine persönliche Perspektive auf Wohnraum gewährt Hee Seo in ihrer Arbeit „Auf Zehenspitzen“. Ihr Werk überträgt das Gefühl der Instabilität, das sie als Künstlerin und Ausländerin in Deutschland begleitet, in eine Installation in Form eines Dielenbodens aus Aluminium. Der kalte Boden wird zum Symbol für ein instabiles Fundament und verleiht dem ständigen Gefühl der Unsicherheit Ausdruck. Anastasiia Batishcheva schließt den Kreis mit ihrem Werk „Bastelbogen H-1986“ aus der Serie „Urban-Toys“. Bei dem Werk handelt es sich um ein Modell einer verlassenen, funktionslosen Architektur in Kharkiv (Ukraine) zum Selberbauen. Damit nimmt die Künstlerin auch die politische Bedeutung von sowjetischer Architektur in postsowjetischen Ländern in den Fokus. Anhand ihrer Fotografien und Modelle, die die Besucher:innen mitnehmen und zu Hause nachbauen können, macht Anastasiia Batishcheva das Bauwerk in Form eines kleinen Objekts physisch erfahrbar und ermöglicht eine spielerische Auseinandersetzung, in der Visionen für eine zukünftige Nutzung entstehen.
Mit der Präsentation der vorgestellten Arbeiten möchten wir einen Raum schaffen, in dem Besucher:innen, Kurator:innen und Künstler:innen gemeinsam Gegenentwürfe für ein zukünftiges Miteinander entwickeln können. Die Künstler:innen bieten anhand ihrer Werke keine endgültigen Antworten, sondern regen zum Nachdenken an. Sie laden dazu ein, die Komplexität unserer Beziehung zur gebauten Umwelt zu reflektieren und neue Perspektiven auf vermeintlich unbedeutende Orte zu entwickeln.