Bildgestaltung: Johannes Hölker, Grafik: Sven Rosanski / artburst berlin e.V.

Ort

ZK/U Berlin – Zentrum für Kunst und Urbanistik
Siemensstraße 27, 10551 Berlin

Zeitraum

31. Juli – 02. August 2026

Programm

Freitag, 31.07. 
(Spendenempfehlung: 5–10 Euro)
Vernissage x Soli-Party
Kunst, Drag Performance mit SlaxyLexy und Musik

Samstag, 01.08. (Eintritt frei)
Installative Performance:
PICNIC mit Kaya Leonie Pilsner / Marlen Hüllstrunk
Screening und Artist Talk:
Dieses Eine Leben (2026) mit Max Wigger

Sonntag, 02.08. (Eintritt frei)
Kurator*innenführung
Kreativ-Workshop

Ohne Anmeldung. Die Uhrzeiten werden noch bekannt gegeben.

Künstler*innen
Ausstellung

Alexander Schröder
Alexandra Müller
Anıl Aydınoğlu
Anna Zachariades
Evelina Reiter
Heidi Scharen
Marta Djourina
Sarah Estio
Tingwei Li

Pressemitteilung „URLAUB“
– deutsch

Press realease „URLAUB“
– english

Im Rahmen eines dreitägigen Ausstellungsformats präsentiert artburst berlin e.V. künstlerische Positionen aus verschiedenen Medien und Perspektiven zum Thema URLAUB.

Zwischen persönlicher Erinnerung und gesellschaftlicher Analyse erzählen die Arbeiten in dieser Ausstellung von Strandurlauben und kollektiver Nostalgie, von Familiengeschichten und Migrationserfahrungen, von Sehnsuchtsorten vergangener Generationen und den Nicht-Orten globalisierter Mobilität. Urlaub erscheint hier als Erinnerungsraum ebenso wie als Projektionsfläche für Wünsche, Identität, Zugehörigkeit und Zuflucht. Dabei wird deutlich, dass Reisen nie ausschließlich eine individuelle Entscheidung, sondern unmittelbar an soziale und materielle Faktoren gekoppelt ist. Wer kann sich Urlaub leisten? Und welche Rolle spielen Herkunft, Staatsangehörigkeit, Klasse oder Geschlecht für die Möglichkeit, sich frei zu bewegen? Die Ausstellung lädt dazu ein, die oft unsichtbaren Voraussetzungen von Erholung sowie die fließenden Grenzen zwischen Produktivität und Regeneration, Auszeit und Verpflichtung zu hinterfragen und Urlaub als Spiegel unserer Gegenwart und Gesellschaft zu betrachten.

So auch Anna Zachariades’ Installation Microdosing Eternity (2025, de. „Mikrodosierung der Ewigkeit”): Durchzogen von Mikroplastikpartikeln, die auf den ersten Blick wie bunte Streusel aussehen, wird ihre überdimensionierte Sandburg zum Sinnbild für die Fragilität eben jener paradiesischen Strände, die Gegenstand unserer Ferienträume sind. Die Gemälde Caught in a Landslide (2025, de. „Von einem Erdrutsch erfasst”) und Avalanche (2025, de. „Lawine”), die auf Waldbrände und Gletscherschmelzen Bezug nehmen, bilden die Rahmung für Zachariades’ Verweis auf die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels auf beliebte Feriengebiete. Evelina Reiter versteht Urlaub als Begegnungsort des Wiedersehens, der weiblichen Solidarität und der stillen Zwischenmomente. Ihre drei Ölgemälde Dinner um 7 (2024), All inclusive (2025) und Irina (2026) verbinden Erinnerung und Gegenwart und erzählen von familiären Beziehungen sowie All-inclusive-Hotels, die gleichermaßen Zuflucht und gesellschaftliche Projektionsfläche sind. In ihrer Zwei-Kanal-Arbeit A 7-Minute and 5 Postcards (2018) hinterfragt Tingwei Li anhand fiktiver Postkarten idealisierte Vorstellungen des Reisens. Durch die Verbindung von ‘Found Footage‘ und literarischen Textfragmenten zeigt sie Urlaub als vermeintliche Auszeit innerhalb einer von permanenter Verfügbarkeit geprägten Gesellschaft. Marta Djourinas Installation Travel Light (2022–2023, de. „Reiselicht”) besteht aus Fotografien sowie zwei Aluminiumabgüssen von Koffern, die für eine Flugreise zu Lochkameras umfunktioniert wurden. Die Arbeit macht Flughäfen als „Nicht-Orte” sichtbar und verweist zugleich auf die Arbeitsrealität von Künstler*innen, für die Reisen häufig Teil ihrer beruflichen Praxis sind. Alexandra Müllers Soundobjekt Churros (2026) ersetzt das erwartete Meeresrauschen einer Muschel durch die Geräuschkulisse argentinischer Strände. Die Arbeit verweist auf die  Geschichte des Tourismus in Buenos Aires und macht deutlich, dass Urlaub bis heute eng mit Fragen von Klasse, Zugänglichkeit und ökologischer Gerechtigkeit verknüpft ist. Anıl Aydınoğlu verarbeitet verdichteten Hausstaub, den er während seiner Tätigkeit als Airbnb-Reinigungskraft gesammelt hat. Die Skulptur In the Air(bnb) (2025) macht die oft unsichtbare Arbeit hinter touristischer Erholung sichtbar und stellt Fragen nach sozialer Ungleichheit und Mobilität. Mit der fotografischen Serie Naherholungsgebiete (2025) dokumentiert Alexander Schröder die postsowjetische Erholungsarchitektur der ehemaligen DDR. Seine Aufnahmen zeigen Orte zwischen Verfall und Fortbestand und fragen nach ihrer heutigen Bedeutung für die Urlaubenden als Erinnerungs- und Freizeitstätten. Auch Heidi Scharens Installation Fenster I (2022) verbindet Reiseaufnahmen aus DDR-Familienarchiven mit eigenen Erinnerungen an eine postsowjetische Reise. Durch gezielte Leerstellen hinterfragt die Arbeit die Konstruktion kollektiver Erinnerung und macht deren politische Dimension sichtbar. Letztlich setzt sich Sarah Estios plastische Arbeit gültiger Personalausweis (2026) mit Reisefreiheit, Nationalität und den postkolonialen Machtverhältnissen auseinander. Die verwendete Zaubertafel verweist auf die Willkürlichkeit dieser Grenzen und auf ihre bis heute kolonial geprägten Voraussetzungen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Rahmenprogramm aus Performance, Film-Screening, Kurator*innenführung und Workshop. 

Mit Humor und Glamour eröffnet Slaxy Lexy die Ausstellung im Rahmen der Vernissage mit einer Drag Performance. Die Künstlerin verbindet Entertainment mit gesellschaftlicher Reflexion und ist unter anderem für ihre Show Grindr Gold, in der sie Geschichten aus dem queeren Dating-Leben erzählt, bekannt. Mit der Installativen Performance PICNIC schaffen Kaya Leonie Pilsner und Marlen Hüllstrunk einen Raum für gemeinsames Essen, Begegnung und Austausch. Die Performance versteht Gastfreundschaft als kollektive Praxis und hinterfragt touristische Formen des Reisens, die auf Konsum und Aneignung beruhen. Max Wiggers Film Dieses Eine Leben (2026) begleitet den Aquafitnesstrainer Eu, der versucht, aus den Routinen eines Wellness-Resorts auszubrechen. Zwischen surrealer Zeitschleife und verborgenen Räumen erzählt der Film von Arbeit, Kontrolle und der Sehnsucht nach einem Leben jenseits vorgegebener Systeme.

„Dieses eine Leben“ – Max Wigger TRAILER